Was genau versteht die klassische Lehre unter einem Trauma?
Ein Trauma ist die Folge eines Ereignisses, das sich sehr belastend auf die Psyche des Betroffenen auswirkt. Das Erleben der Situation wird meist von sehr hohem Stress und starken Angstgefühlen begleitet. Die Schutzmechanismen der eigenen Psyche werden überwältigt und Betroffenen fällt es zumeist schwer, das Erlebte auf normale Art zu verarbeiten.Was passiert, wenn wir ein traumatisches Ereignis erleben?
Ein traumatisches Ereignis wird oft in Verbindung mit starker Angst, Hilflosigkeit oder Grauen erlebt. Die Psyche versucht, sich mit allen Mitteln gegen das Erlebte zu schützen und löst eine sogenannte “akute Belastungsreaktion” aus. Diese kann vom Betroffenen bereits während der traumatisierenden Situation wahrgenommen werden und bis zu 30 Tage anhalten. Sie äußert sich meist in einer Abspaltung des Bewusstseins vom Erlebten; die Situation wirkt entweder “abgedämpft”, wird nur in Einzelteilen wahrgenommen oder gar komplett ausgeblendet (Dissoziation). So kann es vorkommen, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, sich an den genauen Hergang des Ereignisses zu erinnern. In der Gedächtnisforschung unterscheidet man zwischen dem ,,kalten’’ und dem ,,heißen’’ Gedächtnis. Während das ,,kalte’’ Gedächtnis ausschließlich abrufbare Kontextinformationen, wie Ort, Zeit und Ablauf des Ereignisses umfasst, beinhaltet das ,,heiße’’ Gedächtnis die mit dem Ereignis verbundenen sensorisch-perzeptuellen Reize, wie Gerüche und Geräusche und gibt dem Erlebnis eine emotionale Konnotation. Bei Erleben eines Traumas, geht man davon aus, dass diese beiden Anteile nicht mehr integriert werden können; ihnen fehlt eine zeitliche und räumliche Verankerung. Somit teilt sich die Erinnerung an das Erlebte in Fragmente und was übrig bleibt sind oftmals intensive Bilder und sensorische Details. Daher kommt es häufig zu fragmentarischen Berichten und ,,Sprachlosigkeit’’ von Traumatisierten, da sie sich an das Ereignis nicht mehr in Gänze und in chronologischer Reihenfolge erinnern können. Durch das Wiederkehren des Traumas, in Form von intrusiven Erinnerungen, Alpträumen und Flashbacks, ist es, als wenn sie das Trauma nicht verlassen haben.Die zwei Traumatypen
Zu Beginn jeder Traumatherapie muss zunächst einmal eine Diagnose darüber gestellt werden, dass ein Trauma oder eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegt. Außerdem wird bei der Stellung einer Diagnose unterschieden zwischen: Typ-I-Traumata: Es gab nur ein einziges Ereignis, das sich belastend auf die psychische Verfassung des Patienten ausgewirkt hat. Typ-II-Traumata: Der Patient leidet unter der Folge mehrerer Ereignisse, die wiederholt aufgetreten sind.Traumata in der Kindheit
Uns ist es an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass ein Diskrepanz-Erleben nicht immer durch eine Erfahrung von katastrophalem Ausmaß bedingt sein muss; bei Kindern können auch sehr alltägliche Erlebnisse negative Langzeit-Folgen auslösen. Nämlich immer dann, wenn die Grundbedürfnisse eines Säuglings oder Kindes, zum Beispiel Beziehung, Bindung oder Geborgenheit und Schutz nicht mehr gegeben sind. Je niedriger das Entwicklungsalter und die Ressourcen des Kindes, desto geringer die Bewältigungsmöglichkeiten. Die Intensität der Auswirkung misst sich oft in Abhängigkeit davon, ob es sich um ein einmalig belastendes Erlebnis oder um wiederkehrende Vorkommnisse, wie anhaltende Misshandlungen oder Vernachlässigung handelt. In beiden Fällen kann der nicht verarbeitete emotionale Stress Kinder bis ins Erwachsenenalter begleiten. Die Anzeichen hierfür sind oft nuancierter als die “klassischen” Trauma-Symptome, allerdings werden durch die Nicht-Erfüllung der kindlichen Grundbedürfnisse dieselben Mechanismen, wie bei einem Trauma in Gang gesetzt; die Schutzmechanismen sind überfordert, emotionaler Stress kann nicht verarbeitet werden und löst als Konsequenz ein entsprechendes Verhalten aus. Dieses kann sich bei Kindern in folgenden diversen Auffälligkeiten äußern (müssen jedoch nicht immer gleich auf eine traumatische Belastung hinweisen.- Aufmüpfigkeit
- Wut
- Keine Kontrolle über das eigene Verhalten
- Unaufmerksamkeit
- Unruhe
- Das Gefühl von Ohnmacht, Hilflosigkeit oder ,,Ausgeliefert sein’’
- Dissoziation
- Klammerndes Verhalten
- Starre
Die häufigsten traumabezogenen Verfahren
Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, dass unabhängig von der Behandlungsmethode ein sicheres Behandlungsumfeld gegeben ist, um den jungen Patienten ein Gefühl von Sicherheit und Struktur zu vermitteln. Entsprechend der Diagnose können unterschiedliche Behandlungsarten in unterschiedlichen Intensitäten, gemessen an der Schwere der Belastung durch das Trauma empfohlen werden. Es ist jedoch ratsam, nicht nur das für den Betroffenen geeignetste Therapieverfahren rauszusuchen, sondern auch genau auf die in dem Verfahren angewandten Methoden zu achten, da sie in der Behandlung die größte Relevanz darstellen.Systemische Therapie
Bei der systemischen (Trauma-)Therapie wird das gesamte Umfeld des Patienten miteinbezogen; der Mensch wird als Bestandteil eines sozialen Systems gesehen. Man geht davon aus, dass die Ursache des Problems in gestörten Beziehungs- und Kommunikationsstrukturen zwischen beispielsweise Familie bzw. anderen Bezugspersonen liegt.Analytische Psychotherapie
Die analytische Psychotherapie (nach Sigmund Freud) beschäftigt sich, als älteste Form der Psychotherapie, mit der Vergangenheit. Nach dem Ansatz dieser Therapieform sind dort die Ursachen und Lösungen für gegenwärtige Probleme zu finden.Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Der Fokus dieses Therapieverfahrens liegt ebenfalls auf nicht gelöste innere Konflikte und Traumata, die zu gegenwärtigen Problemen führen. Diese Form der Psychotherapie ist insgesamt praxisorientierter und auf die Lösung eines konkreten Problems angelegt. Hier gestaltet der Therapeut das Gespräch aktiver und fokussiert sich auf zentrale Problembereiche und Hintergründe.Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie
Bei der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie setzen sich Therapeut und Patient mit dem Erlebnis intensiv auseinander. Nachdem, wie bei der systemischen Therapie, ein sicheres Umfeld für den Betroffenen geschaffen wurde, wird dieser mit seinen Ängsten und Triggern konfrontiert. Beispielsweise ermutigt der Therpeut seinen Patienten nach einem Autounfall wieder Auto zu fahren, denn die Vermeidung des Angst-Themas verstärkt in der Regel die Angst. Hierbei werden unterschiedliche Techniken, wie beispielsweise autonomes Training oder andere Atemtechniken angewandt, die dem Patienten dabei helfen, seine Emotionen, wie Angst in kritischen Momenten zu kontrollieren. Auch destruktive Denkmuster oder Emotionen, wie beispielsweise Schuldgefühle, Wut oder Ängste, sollen in dieser Therapie mit Hilfe der gegebenen Hilfsmittel überschrieben werden.Methoden der Traumatherapie
EMDR - EMDR steht für “Eye Movement Desensitization and Reprocessing”, was so viel wie Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung bedeutet. EMDR wird inzwischen störungsübergreifend eingesetzt und zeigt sich neben der Verarbeitung von Traumata auch sehr wirksam bei der Auflösung von hinderlichen Glaubenssätzen. Die Methode hat sich seit ihrer Erfindung in den 80er Jahren als sehr effektiv erwiesen. Es gibt zahlreiche evidenzbasierte Studien, die die Wirkung der EMDR-Therapie bestätigen. Auch von den Krankenkassen wird die Methode seit 2014 voll anerkannt. Ein Großteil der Patienten, die mit der EMDR-Methode therapiert wurden, berichten, dass sich bereits nach wenigen Sitzungen eine deutlich spürbare Besserung der Symptome, beispielsweise einer Traumafolgestörung, einstellt. Deshalb ist gerade diese Trauma-Methode sehr renommiert und nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern einsetzbar. In der EMDR-Behandlung wird versucht, die traumatisierenden Erlebnisse und den hieraus verursachten nicht verarbeiteten emotionalen Stress, erneut bzw. vollständig “nachzuverarbeiten” und als ein vergangenes Erlebnis einzuordnen. Der Patient folgt dabei meist mit den Augen den zwei erhobenen Fingern des Therapeuten, welcher seine Finger abwechselnd von links nach rechts bewegt. Allerdings ist EMDR nicht nur über Augenbewegungen einsetzbar, sondern kann auch über sogenannte Pulsatoren in den Händen, oder Tapping auf den Oberschenkeln angewendet werden. Durch diesen Links-Rechts-Impuls werden die beiden Gehirnhälften miteinander synchronisiert, der Patient spürt nochmal in das Erlebte hinein, um es dann zusammen mit dem Therapeuten neu einzuordnen und schrittweise zu verarbeiten. Dieser Prozess wird solange wiederholt, bis der Patient im besten Fall kaum bis keine negativen Gefühle mehr mit dem Ereignis verspürt. Der duale Fokus auf das belastende Ereignis und der Augenbewegung hilft auf tiefer Ebene im Unterbewusstsein, emotional erlebten Stress nachhaltig aufzulösen. PITT - Die PITT-Methode („Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie“) arbeitet mit Imaginationen bzw. Heilenden Vorstellungen in der Traumatherapie. Zur Stabilisierung stellt sich der Patient seinen ganz individuellen ,,sicheren Ort’’ vor, um das Gefühl von Sicherheit wiederzuerlangen. Des Weiteren wird ressourcenorientiert mit dem Patienten gearbeitet, um das Bewusstsein um die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Innerhalb der PITT-Methode wird nicht nur von einem inneren Kind ausgegangen, sondern von mehreren verletzten jüngeren Anteilen, mit denen gearbeitet wird. Das Ziel ist es herauszufinden, was diese jüngeren verletzen Anteile zum Zeitpunkt des Traumas gebraucht hätten und dieses Bedürfnis mit Hilfe einer Imagination im Nachhinein zu erfüllen. Traumafokussierte Spieltherapie - Zur Behandlung, auch im ambulanten Therapierahmen, ist es wichtig, dass das Kind mittlerweile ein geschütztes und stabiles Umfeld um sich hat, welches es im Therapieprozess begleiten kann. Diese Therapieform basiert auf der personzentrierten Psychotherapie und legt dementsprechend ihren Wert auf empathisches Verstehen, Verbalisieren des inneren Erlebens, bedingungslose Wertschätzung, sowie Echtheit und Kongruenz. Im Spiel mit traumatisierten Kindern erweist sich ebenfalls der Einsatz zusätzlicher, gezielter, implizierter und explizierter Interventionen als zieldienlich und hilfreich. Die Methode eignet sich für Kinder ab dem 3. Lebensjahr, bis ins frühe Jugendlichenalter. TRIMB - Die TRIMB-Methode (,,Trauma Recapitulation with Imagination Motion and Breath’’) nutzt Imagination, Atmung und eine lateralisierende Kopfbewegung zur Verarbeitung von Traumata. Da diese Methode nicht tiefer in das Traumaerleben hineinführt und sich vorsichtig an das Problem rantastet, kann sie oft schon in der Stabilisierungsphase angewandt werden und eignet sich dementsprechend auch gut für komplex traumatisierte Patienten. Durch eine Visualisierung von Bindung und Gefühlen werden diese dann imaginativ und mit Hilfe einer speziellen Atem-Technik, sowie einer lateralisierenden Kopfbewegung durchtrennt, um ungute Verstrickungen in Beziehungen zu lösen. IRRT (,,Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy’’) ist eine Therapiemethode zur Behandlung von PTBS und anderen Traumafolgestörungen. Die Kombination von visuellen und verbalen Interventionen ermöglicht einen Zugang zu belastenden und traumabezogenen Bildern, welcher ermöglicht diese zu konfrontieren, zu transformieren und emotional zu bewältigen. Nachdem der Patient die belastenden Bilder und die damit assoziierten Emotionen erneut in sich aufgerufen hat, beginnt er mit der Konfrontation und Entmachtung des Täters mit Hilfe seines heutigen Ichs. Sind diese beiden Schritte getan, kann der Patient/ sein heutiges Ich sein Kind-Ich trösten und sich mit ihm versöhnen.Das Methoden-Angebot der FreyMuT-Academy
Nun hast du die am häufigsten angewandten Therapieverfahren und Methoden in Bezug auf Trauma kennengelernt. Einige dieser Methoden bieten wir auch an!- EMDR
- PITT
- Traumafokussierte Spieltherapie
- ihren Gefühlen mit Hilfe von Atem- und Wahrnehmungsübungen einen sicheren und vertrauensvollen Raum zu geben
- mit dem Trauma verbundene, unangenehme Körperempfindungen zu reduzieren
- ihre Ressourcen zu aktivieren und eine ganz bewusste (Gefühls-)Regulation herbeizuführen
- ihren Weg zurück zur Leichtigkeit und vor allem zu einem erfüllten Leben zu finden
Fortbildung zum Traumatherapeuten an der FreyMuT-Academy
In dieser Fortbildung lernst du, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, durch Schock, oder andauernde Belastungen verursachte Beeinträchtigungen, zu bewältigen. Die Fortbildung “Traumatherapie”, mit dem Schwerpunkt EMDR, ist von der Psychotherapeutenkammer NRW akkreditiert und von der Deutschen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) zertifiziert. Mehr erfahren Deine Fortbildung bei uns Unterstütze junge Menschen dabei, ihr Leben zurückzuerobern! Das Curriculum der Traumatherapie besteht aus insgesamt 8 abwechslungsreichen Modulen, die theoretisches Wissen mit zahlreichen praktischen Übungen verbinden. Du übst dich in der Anwendung verschiedener Techniken (EMDR, PITT) zur Behandlungen von Traumata. Hochqualifizierte Dozenten, denen das Thema Trauma sehr am Herzen liegt, unterrichten dich in kollegialer, dynamischer und freundlicher Atmosphäre. Zertifizierung Durch das Zertifikat der Freymut-Academy können psychologische und ärztliche Psychotherapeuten die Qualifikation „ Spezielle Psychotraumatherapie mit Kindern und Jugendlichen bei der DeGPT erwerben. Zur Erlangung der Zusatzqualifikation gilt eine DeGPT-Mitgliedschaft als Voraussetzung.Trauma-Powerkurs
Unser Trauma Powerkurs (online) bietet praktische Hilfestellungen zur Arbeit mit Kindern. Du wirst lernen:- Nicht verarbeiteten, emotionalen Stress und Traumata zu erkennen
- Den Zusammenhang zwischen auffälligem Verhalten und den dahinter liegenden Grund zu verstehen
- Leicht umsetzbare Methoden anzuwenden
- Deine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen
- Mehr Leichtigkeit und Klarheit im Umgang mit Kindern
- Was es mit “Bindung vor Bildung” auf sich hat
