Was ist ein Trauma?
Ein Trauma ist die Folge eines Ereignisses, das sich sehr belastend auf die Psyche des Betroffenen auswirken kann. Das Erleben der Situation löst intensiven Stress und starke Angstgefühle aus, wodurch es zu einer Überwältigung der natürlichen Schutzmechanismen der Psyche kommt. Diese Überforderung hindert den Betroffenen daran, das Erlebnis auf normale Art zu verarbeiten; er verharrt auf einem ungesund hohen Stresslevel, was sich in diversen Symptomen niederschlagen und sogar schwerwiegende Folgestörungen mit sich bringen kann. In einem weiteren Blogartikel haben wir dir bereits erklärt, was genau ein Trauma eigentlich ist.Phasen der Traumaverarbeitung und ihre Symptome
Eine traumatische Erfahrung und die damit einhergehenden Symptome lassen sich in drei verschiedene Phasen unterteilen:- Die Schockphase
- Die Einwirkungsphase
- Die Erholungsphase
1. Die Schockphase: Fight - Flight - Freeze
Nehmen wir eine Situation wahr, die bedrohlich auf uns wirkt, schaltet unser Gehirn in den sogenannten “Fight, Flight, Freeze”-Modus (Kampf-oder-Flucht-Reaktion nach Walter Cannon): “Fight” = Kampf: Ich gehe gegen den Gegner vor “Flight” = Fliehen: Ich versuche, aus der Situation zu entkommen “Freeze” = Einfrieren: Ich kann weder fliehen noch kämpfen, ich erstarre und lasse die Situation über mich ergehen Die normalen Denkprozesse werden in diesem Moment außer Kraft gesetzt, denn jetzt geht es darum, der bedrohlichen Situation zu entkommen; die oberste Priorität ist die Selbsterhaltung. Der Organismus löst infolge eines solchen Ereignisses die sogenannte “akute Belastungsreaktion” aus, die sich in folgender Symptomatik äußern kann:- Herzrasen
- Schwitzen
- Rötung
- Blässe
- Übelkeit
- Starre
- Unfähigkeit, das Erlebte wiederzugeben
- Unruhe
- Unaufmerksamkeit
- Gefühlsschwankungen bis hin zur kompletten Apathie
2. Traumasymptome während der Einwirkungsphase
Die Einwirkungsphase tritt nach der akuten Belastungsreaktion ein und kann bis zu vier Wochen anhalten. Bei nicht verarbeitetem emotionalen Stress sind Alpträume und das Wiederdurchleben der Erfahrung übliche Folgen: Der Betroffene hat das Gefühl, sich erneut in der traumatisierenden Situation zu befinden; sie läuft wie ein Film vor seinem inneren Auge ab. Begleitend dazu können auch die während der Situation erlebten Gefühle wie Angst, Panik, Wut oder auch Ekel wieder auftreten. Verantwortlich hierfür können die sogenannten “Trigger” sein; Dinge, die den Betroffenen an jene Situation erinnern. Typische Traumatrigger können Sinneseindrücke unterschiedlichster Art sein:- Gerüche
- Orte
- Gegenstände
- Geräusche
- Personen
- Situationen
- emotionale Stumpfheit
- Gleichgültigkeit der Umgebung und anderen Menschen gegenüber
- Teilnahmslosigkeit
- Anhaltende Nervosität und Übererregtheit
- Schlafstörungen
- Reizbarkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Erhöhte Wachsamkeit
- ausgeprägte Schreckhaftigkeit
- Ängste
- Ärger und Wut
- Depressionen
- Verlust des Welt- und Selbstbilds
3. Die Erholungsphase
Im besten Fall klingen die Traumasymptome während dieser Phase langsam ab; selbstverständlich kann das Erlebnis immer noch eine zentrale Rolle im Leben des Betroffenen spielen und unangenehme Emotionen hervorrufen – im besten Fall kann der Betroffene das Erlebte nun aber gesünder einordnen und erlangt hierdurch die nötige Akzeptanz und Distanz zum Erlebten.Trauma vs. posttraumatische Belastungsstörung
Eine posttraumatische Belastungsstörung resultiert aus einem Trauma – nämlich dann, wenn der nicht verarbeitete emotionale Stress auch nach Wochen nicht abklingt und die typischen Traumasymptome weiterhin anhalten. Klicke hier und erfahre, wie sich eine posttraumatische Belastungsstörung äußert.Traumasymptome bei Kindern
Kommt ein Mensch häufig in bedrohliche Situationen, fällt es ihm aufgrund von “Fight, Flight, Freeze” schwer, die mentale Kapazität auf andere Themen zu lenken. Gerade bei Kindern ist das sehr kritisch: Kinder, egal in welchem Alter, brauchen diese normalen Kapazitäten dringend, um Neues zu lernen und um sich zu entwickeln. Fehlt dieses Aufnahmevermögen, eben weil ein Kind (dauerhaft) einer traumatisierenden Situation ausgesetzt ist und die Grundbedürfnisse (Bindung und Beziehung, Kontrolle und Orientierung, Lustgewinn und Unlustvermeidung oder Selbstwerterhöhung und -schutz) nicht ausreichend erfüllt wurden, ist die Psyche des Kindes fast ausschließlich auf die Erfüllung jener Bedürfnisse fokussiert, wodurch es folglich am Lernen gehindert wird. Dies schränkt nicht nur den Lernprozess als solchen, sondern auch die Entwicklung im Ganzen enorm ein. Bei Kindern muss der Auslöser für hohen emotionalen Stress nicht immer “katastrophaler Natur” sein – entscheidend ist die psychische Verfassung des Kindes sowie die Unterstützung, die es aus seinem Umfeld erfährt oder die ihm aus jenem verweigert wird. Für ein Kleinkind kann unter Umständen sogar der frühzeitige “Tod” des Lieblingskuscheltiers in der Waschmaschine und die unempathische Reaktion der Eltern mit Sätzen wie “Jetzt stell’ dich doch nicht so an, ich kaufe dir ein neues Kuscheltier!”, ein solches Ereignis darstellen.Die Symptome, die auf eine Traumatisierung hinweisen, können oft sehr unterschiedlich sein:
- Aufmüpfigkeit
- Schlechte Konzentrationsfähigkeit
- Hohe Sensibilität
- Hyperaktivität
- Zurückgezogenheit
Traumapädagogik für Kinder und Jugendliche
Unter Traumapädagogik versteht man die pädagogische Arbeit in der Begegnung zwischen einem traumatisierten Kind oder Jugendlichen und dem Therapeuten. Ziel der Traumapädagogik sind positive und korrigierende Bindungsangebote in einem sicheren Lebensrahmen. So kann Vertrauen entstehen, Selbstwirksamkeit gefördert, können Aggressionen abgebaut und damit das Selbstwertgefühl und Entwicklungspotential der Kinder und Jugendlichen gesteigert werden.Fortbildung Traumapädagogik an der FreyMuT-Academy
Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, die zu Hause in der Kindheit Vernachlässigung, Verwahrlosung oder Gewalt erfahren haben, brauchen besondere Zuwendung und gezielte Unterstützung. Die in der Fortbildung vermittelten Methoden können Pädagogen und allen, die mit Kindern arbeiten, dabei helfen, den nicht verarbeiteten emotionalen Stress abzubauen und ein gutes Leben wieder möglich machen. Klicke HIER, um mehr über die Traumapädagogik-Ausbildung an der FreyMuT-Academy zu erfahren.Trauma-Powerkurs
Unser Trauma-Powerkurs bietet praktische Hilfestellungen zur Arbeit mit Kindern. Du lernst …- nicht verarbeiteten emotionalen Stress und Traumata bei Kindern zu erkennen
- den Zusammenhang zwischen auffälligem Verhalten und dem dahinter liegenden Grund zu verstehen
- leicht umsetzbare Methoden
- deine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen
- mehr Leichtigkeit und Klarheit im Umgang mit Kindern
